Anschreiben Verlag Manuskript Beispiel Essay

9 Tipps für Nachwuchsautoren

Mara Laue ist professionelle Autorin. Sie schreibt Krimis/Thriller, Science Fiction, Okkult-Krimis, Dark Romance, Fantasy,Lyrik sowie Theaterstücken und bietet zudem Schreibkurse für Nachwuchsautoren an. In unserem Interview erklärte sie, dass in Deutschland nicht annähernd genug für Nachwuchsautoren getan würde und es zum Beispiel in den USA sehr viel einfacher möglich sei, dieses Handwerk zu erlernen. Freundlicherweise erteilte sie jungen Autoren neun Ratschläge für eine Erstpublikation, die uns wichtig und fundiert genug erschienen, um daraus einen separaten Artikel zu machen.

1. Schreiben ist ein Handwerk, das man wie jede andere Fähigkeit von der Pike auf lernen muss – egal wie -, wenn man Erfolg haben will. Und man muss es ständig üben, üben, üben, üben und weiter üben!!!

2. Bevor ihr euer Manuskript einem Verlag anbietet, lasst es unbedingt zuerst von einem möglichst neutralen Testleser, idealerweise mehreren lesen. Wir Autoren sind an unseren eigenen Texten „zu nah dran“, um ihre Schwächen erkennen zu können. Verwandte sind als Testleser allerdings denkbar ungeeignet, manche Freunde ebenfalls, weil sie in ihrer Beurteilung befangen sind. Die einen wollen uns nicht verletzen, indem sie ihre ehrliche Meinung sagen, wenn ihnen das Werk nicht gefällt, und loben es daher, auch wenn es gar kein Lob verdient. Andere wollen uns eins reinwürgen und zerreißen es verbal in der Luft.

Kleine Anekdote: Meine Mutter hat mir, als ich noch Kind/Jugendliche war, verboten, Heftromane zu lesen, weil die in ihren Augen „Schund“ sind – nicht dass sie je einen gelesen hätte! -, und wollte mich durch das Verbot zur „guten Literatur“ bekehren. Nicht dass ihr Verbot was genützt hätte, denn ich war sehr erfinderisch darin, die Hefte zu lesen, ohne dass sie das mitbekam. Heute schreibe ich Heftromane, und sie verschlingt jeden mit Begeisterung und ist des Lobes voll, weil ich sie geschrieben habe – trotz sogar für mich im Nachhinein erkennbarer Schwächen und dem einen oder anderen Fehler. Also versucht, neutrale Testleser zu finden.

3. Seid offen für konstruktive Kritik! Es nützt euch gar nichts, wenn ihr meint, dass euer Werk gut ist und ihr beleidigt reagiert, wenn jemand anderer Meinung ist. Von konstruktiver Kritik könnt ihr lernen! Ganz ehrlich: Wer keine Kritik vertragen kann, sofern sie nicht persönlich oder gar beleidigend ist, kommt als AutorIn nicht weiter.

4. Bevor ihr euer Manuskript einem Verlag einreicht, muss es ein paar Formalitäten erfüllen. Es muss als Normseiten formatiert sein in einer gängigen Schriftart mit dem Titel in jeder Kopfzeile und euren Kontaktdaten in der Fußzeile. Seitenzahlen nicht vergessen!

5. Erkundigt euch vorher unbedingt, ob euer MS ins Verlagsprogramm passt! Wer – überspitzt ausgedrückt – einem Kinderbuchverlag einen Krimi einreicht, darf sich nicht über eine Absage wundern. Leider ist dies einer der Kardinalfehler, die Anfänger begehen.

6. Findet durch einen Anruf bei den angepeilten Verlagen heraus, wer dort für euer Genre zuständig ist. Lasst euch mit der Person verbinden und fragt nach, ob man überhaupt auf der Suche nach neuen Werken ist. Der Anruf hat mehrere Vorteile.
a) Wenn ihr danach euer MS einreicht, könnt ihr euch auf das Telefonat beziehen und es ist deshalb keine „unverlangte Einsendung“ mehr.
b) Ihr erfahrt, ob ihr das MS per Post – wenn ja in welcher Form – oder als Mail-Anhang einreichen sollt. Wichtig: Sofern es der Verlag nicht anders verlangt, reicht ihr nur das Exposé und eine ca. 30-seitige Textprobe ein, das gesamte MS nur auf ausdrückliche Anforderung.
c) Ihr erspart euch Absagen und entsprechenden Frust, wenn der Verlag gar keine neuen Manuskripte haben möchte.

7. Erkundigt euch bei Profis, wie ein Anschreiben an einen Verlag aussehen muss. Beim initiativen Erstkontakt stehen nur Titel, Genre, Umfang nach Anschlägen drin und ein paar Sätze über euch. Der Inhalt steht ausschließlich im Exposé. Wer sein Werk anpreist à la „Dies ist das Buch, auf das Sie gewartet haben!“ oder ähnlich, kann sicher sein, dass es gar nicht erst gelesen wird, weil solche Äußerungen unprofessionell sind. Nebenbei: Ein Buch ist das fertig gedruckte und gebundene Ding, das in den Regalen steht. Was ihr einem Verlag einreicht, ist ausschließlich ein Manuskript.

Kleine Anekdote: Als ich in meiner Anfängerzeit einem Verleger schrieb: „Ich biete Ihnen mein Buch (...) an“, kam von ihm der Kommentar zurück: „Da Ihr Werk bereits ein Buch ist, wozu brauchen Sie noch meinen Verlag?“ Und er erklärte mir den Unterschied. Aber nicht jeder Verleger reagiert so humorvoll.

8. Wappnet euch mit Geduld! Jeder Verlag erhält im Durchschnitt 200 Manuskripte pro Monat; die kleinen Verlage weniger, die größeren erheblich mehr. Die Lektoren, die diese Manuskripte lesen sollen/müssen, haben auch noch andere Aufgaben als Manuskripte lesen. Bis euer MS gelesen wird, dauert es in der Regel mindestens 3 Monate und länger. Ich musste mal anderthalb Jahre auf eine Antwort warten. Oft erhält man aber gar keine Antwort. Das ist zwar unhöflich, aber leider nicht unüblich. Aus dem Grund reicht euer MS niemals nur einem einzigen Verlag, sondern mehreren gleichzeitig ein.

Übrigens: Im Verlag liest man als Erstes das Exposé. Wenn das nicht die Aufmerksamkeit des Lektors weckt, wird die Textprobe gar nicht gelesen. Euer Exposé/die Geschichte MUSS also interessant, logisch aufgebaut und in sich schlüssig sein. Beim Text selbst entscheiden die ersten 4 bis 5 Seiten, ob der Lektor weiter liest, denn für Profis werden die Fehler, die sich im Rest des Textes fortsetzen, schon auf diesen wenigen Seiten erkennbar. Deshalb muss euer Anfang wirklich gut geschrieben sein und darf auf keinen Fall einen Hauch von Langeweile aufkommen lassen.

9. Dies ist nach Punkt 1 der wichtigste Rat: Gebt niemals auf! Wenn Schreiben eure Leidenschaft ist, dann lasst euch niemals entmutigen und schreibt immer weiter, auch wenn ihr noch keinen Verlag für eure Werke findet. Manchmal liegt es daran, dass euer tolles Thema zurzeit nicht im „Mainstream“ liegt und sich deshalb nicht verkaufen ließe. Ein paar Jahre später hat es vielleicht bessere Chancen. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Selbst ein nobelpreisverdächtiges Manuskript muss und wird er ablehnen, wenn für ihn ersichtlich ist, dass es keine Marktchancen hat. Ich habe von meinen ersten Schreibversuchen bis zur ersten bezahlten Veröffentlichung 21 Jahre warten müssen und bis zum Sprung in die Profiliga insgesamt 35 Jahre. Aber das Warten hat sich gelohnt!

An dieser Stelle noch eine Warnung: Veröffentlicht niemals bei einem sogenannten Druckkostenzuschussverlag! Wir Autoren werden für unsere Arbeit bezahlt. Niemals bezahlen wir dafür, dass jemand unsere Werke druckt! Keinen einzigen Cent. Einzige Ausnahme: Books on Demand für Liebhaberstücke. Aber wer zu oft bei BoD veröffentlicht, hat später kaum Chancen, bei einem Publikumsverlag unterzukommen. Die prüfen das nämlich nach.

Zum Schluss des langen Sermons: Ich wünsche allen NachwuchsautorInnen viel Glück und Erfolg und drücke euch ganz fest die Daumen!

Mara Laue, April 2012

Das fertige Manuskript

Wer ein fertiges Manuskript vor sich liegen hat, ist sicher als erstes einmal sehr stolz auf sich und vermutlich auch ein wenig erschöpft. Und zwar egal ob als Profi oder Debütautor. Ab jetzt möchte man die Sache am liebsten an eine gute Fee abgeben, die mit ihrem Zauberstab *pling* das Ganze in ein wunderschönes Buch verwandelt. Selbst wenn man vorhat, das Buch ohne einen Verlag herauszugeben und sich ein Lektorat zu sparen (für Anfänger nicht empfehlenswert), ist das Korrektorat und die Cover-Herstellung am besten in Profihänden aufgehoben. Vom Marketing gar nicht zu reden. Falls ihr hier unentschieden seid, lest vielleicht unsere Blogreihe: Wie veröffentliche ich mein Manuskript.

Anschreiben an Verlage oder Agenten

Zwei Berufsgruppen kennen sich besonders gut mit Manuskripten aus: Agenten und Verlage. Agenten nehmen euch, wenn sie gut sind, das Groblektorat ab, bereiten euer Manuskript für die Verlage vor, sprechen mit ihren Verbindungsleuten, vermitteln euch (irgendwann) einen Verlagsvertrag. Verlage erhalten ihre Manuskripte ganz überwiegend aus der Hand von Agenten, weshalb dieser Zwischenschritt auch in Deutschland mittlerweile sehr üblich geworden ist. Aber ganz egal, ob ihr euch als erstes einen Agenten sucht, oder gleich an einen Verlag wendet, ihr müsst ein Anschreiben aufsetzen. Anrufen und Ansprechen oder (schock!) einfach mal vorbeigehen, ist nämlich gar keine gute Idee.

Das richtige Anschreiben

Jeder Mensch ist anders, daher gibt es sicher nicht nur EIN richtiges Anschreiben. Als Agentin für Schauspieler und als Autorin, die sich sowohl bei Verlagen als auch Agenten schon beworben hat, weiß ich allerdings, dass es viele falsche Anschreiben gibt. Kurz gesagt, Anschreiben, die sofort in den Papierkorb wandern. Was ist also wichtig? Egal ob per Brief oder Mail:

  • eine persönliche Anrede. Sehr geehrte/r Herr/Frau …
  • eine saubere, gut lesbare Handschrift oder besser: eine schlichte, sachliche Schrifttypo.
  • ein kurze und verständliche BITTE, um Prüfung des Manuskripts/Aufnahme in die Agentur.
  • eine Angabe, zu welchem Genre das Buch gehört und wie viele Seiten es haben wird.
  • keine Rechtschreibfehler!
  • freundliche Schlussworte, ein Realname/Unterschrift.
  • eine Mailadresse für die Rückmeldung.
  • Anlagen: Die ersten 20/30 Seiten eures Manuskripts, Exposé, Lebenslauf etc.
Recherche

Macht euch die Mühe, für jedes Anschreiben einen Ansprechpartner zu recherchieren. Das Internet ist dabei extrem hilfreich. Schickt euer Manuskript an eine der LektorInnen des Verlages. Gibt es mehrere, dann versichert euch, dass er/sie der/die Richtige für euer Thema ist. Wenn ihr auf der Bewerbungsseite (Manuskripte) eine Mailadresse findet, die lektorat@ heißt (wie auch bei uns), dann ist es trotzdem nett, wenn man uns zumindest mit „Sehr geehrtes Red Bug Team“ anspricht und nicht mit: Liebes Lektorat … Die volle Aufmerksamkeit habt ihr, wenn ihr einen Namen recherchiert. Ihr zeigt damit, dass euch der Verlag wirklich interessiert und ihr nicht täglich 20 Päckchen packt und an Verlage schickt. Das „Sehr geehrte …“ ist  ein wenig veraltet und bei näherer Bekanntschaft wird man vielleicht schnell zu einem lockeren Ton übergehen. Da ihr aber nicht wisst, mit wem ihr es beim Öffnen der Mail/Post zu tun habt, seid ihr mit der alten Form auf der sicheren Seite.

Der richtige Ton: Bitten – nicht fordern

Eigentlich logisch: Ihr wollte etwas von jemanden, also bittet ihr ihn darum: Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mein Manuskript prüfen würden/könnten. Oder um Prüfung eurer Unterlagen. Prüfen heißt in der Verlagssprache: lesen und entscheiden.

Ihr könnt ganz sicher sein, wenn ihr eine gute Manuskriptprobe einreicht, dann wird sich jemand melden. Und wenn sich niemand meldet, dann liegt es nicht an eurem Manuskript. Es macht also keinen Sinn, die Größe und den Glanz eures Werks besonders hervorzuheben. Ich schrieb viele Jahre an diesem Meisterwerk … Schon meine Mutter sagte, besser könne man nicht schreiben …  Überhaupt interessieren biographische Details in der Regel im Anschreiben nicht. Ich schreibe schon, seit ich denken kann … ich wollte immer schon Autorin werden … Natürlich! Das müsst ihr nicht betonen.

Was ihr aber erwähnen solltet, sind Dinge, die einen Mehrwert für den Verlag oder Agenten haben. Vielleicht habt ihr schon Bücher veröffentlicht. Oder Preise gewonnen. Oder eine große Zahl von Büchern als Selfpublisher verkauft (Zahlen ab 50 000 sind interessant für Verlage und Agenten). DAS solltet ihr dann schon – ganz bescheiden – erwähnen. Just for fun – hier ein YouTube Video in dem amerikanische Literaturagenten über ihre besten Queryletters (Anschreiben) sprechen.

Anlagen

Anlagen sind Dinge, die ihr zu dem Anschreiben dazupackt.

  • die ersten 10-30 Seiten eures Manuskripts
  • Exposé
  • Lebenslauf
  • Auflistung eurer bisherigen Veröffentlichungen/Preise/Stipendien
Abschicken

Packt eure Manuskriptprobe (nicht das Ganze) in einen (Dina4) Umschlag, legt das Exposé dazu, schreibt auf den Umschlag den Verlagsnamen/Agenturnamen und den Namen des Ansprechpartners. Oder mailt alles und legt das Manuskript und Exposé als Worddatei bei. Ready to go.

Wenn die Probe gefällt, dann will der Verlag euer ganzes Manuskript sehen und meldet sich. Habe ich euch schon gesagt, wie ein Exposé oder ein Manuskript formal aussehen sollte? Okay, falls ihr hier unsicher seid, wartet bis nächste Woche, denn dann schreibe ich dazu noch etwas.

In unserem heutigen Worksheet gibt es ein Musteranschreiben zum freien Download.

Eine schöne Woche – see ya :)

Katrin

Huch! Ja, hier ist wieder ein Gif versteckt! Für unsere Gifzeljagd. Wer hier schreibt, ist Paulina, die Heldin aus „Lass uns fliegen“ (meinem neuen Young Adult Roman) in dem es sehr viel ums Schreiben geht und das diese Woche herauskommt. (Ja, ich bin aufgeregt :) Ihr alle seid ganz herzlich zur Book-Release-Party eingeladen, die am Freitag von 19-21 Uhr auf Facebook stattfindet. Hier wird gefeiert, ihr könnt T-Shirts, Printbücher und Musik gewinnen und mir jede Frage – auch zum Schreiben und Veröffentlichen – stellen, die euch gerade durch den Kopf schießt.  

Ich freue mich auf euch!

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